CO2 Kompensation im Wildnisgebiet Dürrenstein-Lassingtal

Leistungen des Wildnisgebietes

Zur Zeit der Etablierung des Wildnisgebietes Dürrenstein-Lassingtal wurden spezielle Ziele festgelegt.

Die Leistungsdefinition, die gemeinsam mit Waldexperten und Juristen erarbeitet wurden findet sich hier:

Berechungsmethode

Für jede Kompensationsfläche erfolgt eine spezifische Bewertung der CO2-Senkleistung. Dieser Bewertung liegt eine sehr konservativen Berechnungsmethode zugrunde, die sich auf den minimalen Holzzuwachs bzw. die Bodeneinspeicherung vor Ort bezieht. Es muss davon ausgegangen werden, dass die reale Speicherleistung wesentlich höher ist, als unsere Berechnungen aufgrund der bisher vorhandenen Datenbasis suggeriert. In den kommenden Jahren muss diese Bewertung daher noch in folgenden Bereichen adaptiert werden.

Zur besseren Nachvollziehbarkeit der Berechnungsmethode wurde gemeinsam mit den Österreichischen Bundesforsten auf den niederösterreichischen Flächen des Wildnisgebietes nach derzeitigem Wissenstand die oberirdische Speicherungsfähigkeit ermittelt. Die Ergebnisse dieser Berechnung können eingesehen werden. Auf Basis der Studie des österreichischen Umweltbundesamtes wurden die in den Boden eingespeicherten CO2-Mengen ergänzt. 

Details lt. Berechnungsmethode

Der Umrechnung von Kohlenstoff-Masse in CO2-Masse wird der Faktor 3,67 zugrunde gelegt (Umweltbundesamt: Austria’s Inventory Report 2014). Der Umrechnungsfaktor von Vorratsfestmeter (Vfm) in gebundene Tonne (t) CO2 beträgt beim Laubholz 1,52 und beim Nadelholz 1,14. Das bedeutet, dass 1 Vfm Laubholz 1,52 t CO2 entspricht, die der Atmosphäre entzogen wurden. Analog dazu entspricht 1 Vfm Nadelholz 1,14 t CO2. Der jährliche (J) laufende Zuwachs für 1.457,40 Hektar der bewerteten Waldfläche beträgt im Mittel 1,6 Festmeter (fm)/ha, auf 620 Hektar des Untersuchungsgebiets liegt dieser Wert bei 2,4/fm/ha/J. Dies bedeutet für die Fläche mit 1.457,40 ha eine Senkenleistung von 2,02 t/ha/J, bei der Fläche mit 620 ha liegt die Senkenleistung bei 3,03 t/ha/J.

CO2-Speicher-Leistung NÖ Wildnisgebiet (Teilgebiet mit 2.077,4 ha): 4.826 Tonnen/Jahr

Zertifizierungsprozess

Derzeit fehlen sowohl nationale als auch internationale, verbindliche Rechtsmaterien, die die CO2-Zertifizierung regeln würden. Daher stützen sich alle Zertifizierungsmodelle entweder auf das Kyoto-Abkommen aus dem Jahr 1997 oder das Klimaabkommen von Paris aus dem Jahr 2015. Derzeit vorhandene Zertifizierungsmodelle werden ausschließlich von privaten Organisationen entwickelt und getragen.

Der Zertifizierungsprozess im Wildnisgebiet Dürrenstein-Lassingtal wird in Form eines Vertragsklimaschutzes und Vergabe eines Gütesiegels durchgeführt. Die Unternehmen gehen dabei mit dem Wildnisgebiet eine vertraglich abgesicherte Partnerschaft ein, deren Leistungen über die ausschließliche Zertifizierung hinausreichen.

Mit folgenden Schritten wird die Glaubwürdigkeit des Klimaschutzangebotes im Wildnisgebiet sichergestellt:

  1. Festlegung einer Berechnungsmethode mit Experten. Jede weitere Verfeinerung der Methode wird umgehend auf dieser Homepage publiziert. Die Berechnung der CO2-Speicher-Kapazität im Wildnisgebiet wurde vorerst ausschließlich auf Basis des Zuwachsesermittelt. Sobald es belastbare Daten auch unter Einbeziehung von Totholz und Humusbildung gibt, wird die Berechnungsmethode angepasst. (Zur Berechnungsmethode).
  2. Beurteilung der errechneten Werte durch unabhängige, international tätige Experten
  3. Prüfung durch einen unabhängigen Wirtschaftsprüfer.

Erst wenn diese Schritte durchlaufen sind, kommt es zur Vergabe unseres Gütesiegels.

Einsatz lukrierter Geldmittel

  1. Die aus der CO2-Kompensation lukrierten Gelder werden für die Weiterentwicklung des Wildnisgebietes Dürrenstein-Lassingtal sowie für die Etablierung von zusätzlichen naturschutzrelevanten Flächen eingesetzt. Um auch den Generationen nach uns intakte Ökosysteme zu hinterlassen, sind der Erhalt von großen, naturnahen Flächen von immanenter Bedeutung. Aus der Nutzung genommene Flächen können umgehend zusätzliches CO2 aus der Atmosphäre binden und haben damit direkt eine positive Klimawirkung.
  2. Eines der erklärten Ziele von internationalen Wildnisgebieten ist Erkenntnisgewinn durch Forschungsarbeiten. Speziell zu den Themen Biodiversität und CO2-Speicherleistungen des Waldes sind gemeinsam mit Grundeigentümern und Universitäten Forschungsaktivitäten angedacht. Für weitere Vorgehensweisen im Umgang mit Waldökosystemen ist eine weitere Erforschung der Rolle von Totholz, Bodenleben, sowie der Vernetzung im Wald, speziell im Zusammenhang mit CO2, von größter Bedeutung.
  3. Weiters wird in die Bildungsarbeit der Schutzgebietsverwaltung investiert, um Menschen das Werkzeug in die Hand zu geben, die Klimakrise und das Artensterben zu bewältigen.

CO2 Kompensieren

Voraussetzungen

Mit der Speicherung von CO2 soll eine „Klimagas-Ausstoß-Neutralität“ erzielt werden. Doch auch das hat seine Grenzen. Daher müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein, damit Unternehmen das Kompenstationsangebot des Wildnisgebietes Dürrenstein – Lassingtal nutzen können.

Die Kompensation einzelner Produkte kann den gesamten Klimaschaden von Unternehmen meist bei Weitem nicht ausgleichen.

  • bieten im Idealfall Produkte oder Dienstleistungen von globalem gesellschaftlichen Wert an. Jedenfalls aber keine Produkte oder Dienstleistungen, die dem lokalen Gemeinwohl oder den Global Commons abträglich sind.
  • kennen ihre Umweltwirkungen, lassen diese normgerecht messen (OEF, ISO 14040ff, ISO 14064) und berichten darüber in transparenter Weise (ISO 14025, PEF, …).
  • haben einen klaren Plan zum Erreichen weiterer Verbesserungen (z.B. SBT – Science Based Targets).
  • reduzieren nachweislich am eigenen Standort und in der eigenen Lieferkette.
  • optimieren ihre Produkte für umweltverträgliche Verwendungs- und Entsorgungs-Phasen.

Die Auswirkungen auf die Wasser- und Luft – Qualität, den Landverbrauch, die Beeinträchtigung der Biodiversität, die Gefahr von radioaktiver Verstrahlung und viele weitere Aspekte sind von Bedeutung für die Zukunft unseres Lebensraumes und müssen Beachtung finden.

Der Ecological Footprint (Ökologische Fußabdruck als Maß für die Beanspruchung von Naturleistung) und der in Entwicklung befindliche Environmental Footprint (PEF & OEF als Maß für die Belastung der Ökosysteme) können hier als Grundlage für eine Bewertung dienen.

Auch soziale Kriterien (wie sie etwa im ESG -Reporting angedacht sind oder in der Gemeinwohlbilanz schon gut operationalisiert sind) sind von Bedeutung.

Biogene Materialien sollten immer rein solar hergestellt werden. Äcker, Weiden und Waldflächen sind mit > 95% der Landfläche die bei weitem größten Solarkollektoren. Produkte dieser Flächen mit externen Maßnahmen zu kompensieren ist daher nicht sinnvoll.

Zur Beratung haben wir eine Sammlung von uns empfohlene Ökobilanzierungsstellen zusammengestellt.

Für netto 90 € erhalten Sie ein Gütesiegel, dass Nach aktuellem Wissensstand die Kompensation von 1 Tonne CO2 bestätigt.

Die Kompensation von CO2 darf nicht davon ablenken, dass weitere Emissionen verhindert oder zumindest reduziert werden müssen. Andernfalls wird es nicht möglich sein, das CO2-Aufkommen in der Atmosphäre nachhaltig zu senken, sodass ein stabilisierender Effekt auf das Klima möglich ist. Der Preis für eine Tonne kompensiertes CO2 im Wildnisgebiet Dürrenstein – Lassingtal wurde unter dieser Berücksichtigung festgelegt und muss regelmäßig angepasst werden.

Kontaktaufnahme

Ansprechperson:

Nina Schönemann
klimapartnerschaft@wildnisgebiet.at

+43 660 1303988