Leistungen des Wildnisgebietes

Durch die Klimapartnerschaft sollen sinnvolle Maßnahmen umgesetzt werden, die eine tatsächliche Nettowirkung auf das Klima und die Biodiversität haben und somit Umweltbelastungen wirklich kompensieren bzw. zum Verständnis unserer Umweltprobleme beitragen!

In der Klimadebatte wurde auf Biodiversität bisher wenig Augenmerk gelegt und die klimarelevanten Leistungen des Wildnisgebietes wurden in keiner Weise berücksichtigt oder bewertet. Gerade diese ökosystemaren Leistungen werden aber in den kommenden Jahrzehnten von herausragender Bedeutung für den Klimaschutz sein und Wildnisgebiete zu einem wichtigen Baustein im Klimaschutz machen.

Globalverstand bedeutet global denken und lokal handeln

Die speziellen Leistungen des Wildnisgebietes, die gemeinsam mit Waldexperten und Juristen erarbeitet wurden, sind:

In Mitteleuropa gibt es nur mehr unter 1 % naturnaher Waldflächen, da der Druck durch die Flächennutzung so hoch war und noch immer ist, wie in (kaum) einer anderen Region der Erde. Von den meisten Waldtypen ist in Europa kein einziger Urwaldrest mehr vorhanden, wodurch viele Arten für immer verloren gingen. Dabei wird aber auch die Lebensgrundlage von uns Menschen zerstört, da Ökosysteme wie der Wald für die Reinigung des Trinkwassers, Aufbereitung der Luft zum Atmen, Erzeugung und Weitstreckentransport des Regens, Bereitstellung von Rohstoffen, Stabilisierung des Klimas, Bindung von Schadstoffen etc. essenziell sind.

Aus diesem Grund sollten Ausgleichsmaßnahmen nicht nur in anderen Teilen der Erde, sondern auch in Europa stattfinden. Auch deshalb, weil es in Europa Rechtssicherheit gibt und gerade hier viele naturnahe Waldgesellschaften beinahe verloren sind.

Eine Kompensation der Umweltbelastungen über die Klimapartnerschaft ermöglicht Flächen zur CO2 Einspeicherung

  • Minderung des Klimawandels
  • Erhöhung der Biodiversität
  • Bodenschutz
  • Wasserbereitstellung
  • Forschung

zur Verfügung zu stellen.

Über die Speicherleistungen der Ökosysteme, abgesehen vom oberirdischen Holzzuwachs in den ersten 120 Lebensjahren der Bäume, ist bisher nur wenig bekannt. Daher wird bei den Berechnungen der Klimapartnerschaft die Menge an gebundenem CO2 in der lebenden Holzmasse vorsichtig angesetzt. Die Wirkung einer neuen Landnutzung in Form einer Verbesserung bzw. langfristigen Sicherung der ökosystemaren Dienstleistungen sind vermutlich deutlich wertvoller und lukrativer für Waldbesitzer, als bisher angenommen wird. Damit Maßnahmen effektiv gesetzt werden können, ist weitere Forschungsarbeit notwendig. Das Wildnisgebiet stellt dabei eine wichtige Untersuchungsfläche dar. Da der Mensch sich hier bereits zurückgezogen hat und die ökosystemaren Leistungen ohne Einflussnahme des Menschen stattfinden. Wissensbedarf gibt es v.a. in den folgenden Bereichen:

  • Speicherung von CO2 im Boden
  • Wechselwirkungen von Klimawandel und Biodiversität
  • Vernetzung in Biozönosen zur Erhöhung der Resistenz und Resilienz gegenüber Störungen
  • Auswirkungen des Totholzes

Wissen und dessen Weitergabe ist die wesentlichste Grundlage für die Bewältigung derartiger Krisen. Es ist bereits viel Wissen in den Bereichen Globalverständnis und ökologischer Fußabdruck vorhanden. Die Komplexität und die Bedeutung von Vernetzung und Kooperation in ungestörten Ökosystemen sollten Vorbild für unser Handeln werden. Diese komplexen und schwer verständlichen Themen müssen unbedingt leicht verständlich und einfach zugänglich gemacht werden! Die Schutzgebietsverwaltung setzt dies bisher folgendermaßen um:

  • Im Jahr 2021 wurde das Haus der Wildnis eröffnet: Es beinhaltet unter anderem eine Ausstellung und verschiedenste Workshops, die über das Ökosystem Wald informieren
  • Führungen im Haus der Wildnis und Exkursionen im Wildnisgebiet
  • Vorträge
  • Bücher, Zeitschriften, (digitale) Medienauftritte
  • Kooperationen
  • Eine Ausstellung zum Globalverständnis und Ökologischen Fußabdruck befindet sich in der Konzeptionierung

Während temporär aus der Nutzung genommene Bestände jederzeit wieder wirtschaftlich genutzt werden können und damit die gewünschte CO2-Speicherung nur bedingt erreicht werden kann, können Schutzgebiete eine über viele Jahrzehnte hinweg langfristige Perspektive bieten. Gerade das einzige Waldwildnisgebiet und Weltnaturerbe Österreichs kann diese Langfristigkeit gewährleisten.

Nicht nur, dass durch privatrechtliche Verträge die Schutzgebiete langfristig abgesichert sind, wurde das gesamte Wildnisgebiet sowohl auf niederösterreichischer Seite, als auch auf steirischer Seite per Verordnung durch die jeweiligen Landesregierungen zum Schutzgebiet erklärt.

Für jede neue Fläche, welche im Rahmen der Klimapartnerschaft finanziert werden können, stehen dieselben rechtliche Absicherungen zur Verfügung.

Der Klimawandel hat auch große Auswirkungen auf die Biodiversität. Gerade Schutzgebieten kommt jedoch bei der Sicherung unserer Artenvielfalt eine tragende, wenn auch nicht ausschließliche Rolle zu. Klimawandel und Artenschwund können nicht getrennt voneinander betrachtet werden und daher ist der Beitrag zur Artensicherung und Biodiversität eine besonders wertvolle Aufgabe des Wildnisgebietes.

Neuste Studien zeigen, dass Totholz und besonders auch dem ungestörten Waldboden große Bedeutung bei der CO2-Bindung zukommen dürfte. Nur Schutzgebiete gewährleisten ungestörte Prozesse im Waldboden und natürlich hohe Menge an Totholz.

Quellenauswahl:

Are old forests underestimated as global carbon sinks? E I L E E N V . C A R E Y , * A N N A S A L A , * R O B E R T K E A N E ² and R A G A N M . C A L L A W A Y *

*Division of Biological Sciences, University of Montana, Missoula, MT 59812, USA, ²USDA Forest Service, Rocky Mountain Research Station, Intermountain Fire Sciences Laboratory, Missoula, MT 59807, USA.

Inken Krüger, Christoph Schulz, Werner Borken: Totholz als Klimaschutzsenke: Ein Vergleich in bewirtschafteten und unbewirtschafteten Wäldern; LWF aktuell 87/2012

Krüger I, Schulz C, Borken W (2012): Totholz als Kohlenstoffsenke. Bayrische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft, LWF aktuell 87:24–26

Luyssaert, S.; Schulze, E.-D.; Börner, A.; Knohl, A.; Hessenmöller, D.; Law, B. E. et al. (2008): Old-growth forests as global carbon sinks. In: Nature 455 (7210), S. 213–215. DOI: 10.1038/nature0727

Durch die Kompensation über die Klimapartnerschaft ergibt sich eine neue Methodik zur Bewertung von ökosystemaren Leistungen, sowie das zur Verfügungstellen von Flächen zur Sicherung dieser Leistungen. Dadurch werden Umweltbelastungen angemessen reduziert.